Redaktionelle Praxis
Wie wir prüfen, schützen und korrigieren
Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch nachvollziehbare Verfahren. Auf dieser Seite beschreiben wir Arbeitsschritte, Grenzen und den Weg einer Korrektur — vom ersten Hinweis bis zur sichtbaren Änderung im Beitrag. Wenn Sie genauer wissen wollen, wie Beiträge in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zustande kommen, sind Sie hier richtig.
Grundsätze der Recherche
Wir gehen von Fragen aus, nicht von Antworten
Jede wesentliche Aussage soll auf mindestens zwei voneinander unabhängige Grundlagen zurückgehen, wo das möglich ist. Wo es nicht möglich ist, benennen wir die Unsicherheit, statt sie zu überspielen.
So vermeiden wir den Effekt, dass eine einzelne Quelle zum Fundament einer ganzen Darstellung wird. Das klingt banal, verändert aber jeden Text: Wer zwei Grundlagen verlangt, muss manchmal eine zugespitzte Aussage wieder abschwächen.
Was diese Seite abdeckt
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So entsteht ein Beitrag
Von der ersten Recherchefrage über die Prüfung durch eine zweite Person bis zur juristischen Vorklärung bei sensiblen Themen.
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Was wir Quellen zusagen
Anonymisierung, Speicherung und Zugriff werden vor dem Gespräch geklärt — nicht hinterher.
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Wie eine Korrektur abläuft
Hinweis prüfen, betroffene Stelle kennzeichnen, Änderung sichtbar machen. Ergänzen statt löschen, wenn sich eine Faktenlage verschiebt.
Diese Seite schreibt nicht über Haltung, sondern über Arbeitsschritte und Grenzen. Nicht jede Regel lässt sich auf jeden Fall anwenden; wo zwei Standards in Konflikt geraten, entscheidet die Redaktion nachvollziehbar und dokumentiert den Grund.
Zitate bleiben unverändert, auch wenn sie unbequem sind.
Wir trennen Nachricht, Analyse und Kommentar und kennzeichnen die Form. Zahlen und Statistiken führen wir auf ihre Quelle zurück, wo das möglich ist. Wird eine Aussage gekürzt, prüfen wir, ob die Kürzung den Sinn verdreht.
Wie ein Beitrag geprüft wird
Prüfaufwand richtet sich nach Folgen, nicht nach Länge
Bevor ein Stück erscheint, liest mindestens eine zweite Person in der Redaktion es gegen Fakten und Quellen. Bei sensiblen Recherchen ergänzen wir das um eine juristische Vorklärung. Bei Beiträgen mit Daten arbeitet zusätzlich eine Person am Zahlenmaterial.
Weil sich der Umfang der Prüfung an möglichen Folgen orientiert, gibt es keinen einheitlichen Zeitplan. Ein kurzer Bericht kann wochenlang in der Prüfung hängen, wenn er eine betroffene Person bloßstellen könnte. Ein langer Essay kommt schneller durch, wenn keine dritten Interessen berührt sind.
Zweite Person in der Redaktion
Sie liest gegen Fakten und Quellen. Widersprüche werden nicht glattgebügelt, sondern an die Autorin oder den Autor zurückgegeben.
Juristische Vorklärung
Bei sensiblen Recherchen prüfen wir vorab rechtliche Risiken und Persönlichkeitsrechte — nicht erst, wenn Beschwerden eintreffen.
Zusätzlicher Faktencheck bei Daten
Bei datenbasierten Beiträgen rechnet eine zweite Person das Zahlenmaterial nach, statt sich auf die erste Auszählung zu verlassen.
Form bleibt gekennzeichnet
Nachricht, Analyse und Kommentar werden unterschieden und im Beitrag erkennbar gemacht, damit Leserinnen und Leser die Textsorten einordnen können.
Quellenschutz
Was wir zusagen — und was vorher geklärt wird
Wir klären vor jedem Gespräch, welche Form der Anonymisierung möglich ist. Wir dokumentieren, wo Material gespeichert wird und wer Zugriff hat. Wo eine Zusage nicht haltbar wäre, sagen wir es vorher, nicht nachher.
Das klingt selbstverständlich, hat aber Folgen für den Verlauf einer Recherche: Manche Gespräche enden an dieser Stelle, weil keine belastbare Zusage möglich ist. Ein hinzugefügter Absatz später im Text hilft dann niemandem — weder der Quelle noch der Leserschaft, die sich auf die Darstellung verlässt.
Eine Zusage, die erst nach der Veröffentlichung eingeschränkt wird, war keine Zusage.
Gespeichert
Wir halten fest, an welchem Ort Material liegt und wie lange es dort bleibt.
Zugriff
Der Kreis der Zugriffsberechtigten wird benannt, nicht offengelassen.
Rahmen
Der Deutsche Journalisten-Verband behandelt Fragen zu Quellenschutz und Medienrecht in öffentlichen Debatten. Solche Rahmenbedingungen sind für uns relevant, auch wenn sie nicht alle Fälle eindeutig lösen.
Hintergrundbericht Methodik
Wie wir in Hintergrundberichten unsere Methodik erklären
In ausführlichen Hintergrundberichten erklären wir die Methodik der Recherche: wie Daten erhoben wurden, was aus welcher Quelle stammt und wie Aussagen einzuordnen sind. Das macht Beiträge länger, aber nachvollziehbar. Wer eine Methodik nicht versteht, kann keine Aussage angemessen bewerten, und dieser Punkt ist für uns zentral.
Herkunft der Daten
Wir benennen, ob Angaben aus öffentlichen Registern, eigenen Erhebungen oder Auskünften stammen.
Grenzen der Aussage
Wir sagen, was eine Zahl nicht zeigt und wo die Stichprobe endet.
Einordnung im Text
Ergebnisse werden dort erklärt, wo sie zum ersten Mal auftauchen, nicht in einer Fußnote am Ende.
Umgang mit Betroffenen
Wer betroffen sein kann, wird gefragt
Wer durch einen Beitrag namentlich betroffen sein kann, bekommt Gelegenheit zur Stellungnahme. Das gilt für Einzelpersonen wie für Organisationen. Wir setzen eine angemessene Frist und dokumentieren die Antwort, auch wenn sie knapp ausfällt. So bleibt eine Aussage am Ende nachvollziehbar, statt auf einer ungehörten Annahme zu beruhen.
Fällt eine Antwort aus, vermerken wir das und formulieren die Stelle entsprechend vorsichtiger. Eine nicht beantwortete Anfrage ist kein Beleg für ein Fehlverhalten — sie ist eine offene Stelle im Text, und die wird bei uns auch so gekennzeichnet.
Was wir nicht tun
Drei Grenzen, die nicht verhandelbar sind
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Keine erfundenen Zitate
Aussagen werden nicht geglättet, ergänzt oder in eine gewünschte Richtung gedreht.
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Keine veröffentlichten Zusagen, die wir nicht halten können
Vertrauliche Informationen, die uns unter Bedingungen überlassen wurden, bleiben unveröffentlicht, wenn die Bedingungen nicht einzuhalten sind.
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Keine Methode, die Unbeteiligte gefährdet
Recherchewege, die Dritte in Gefahr bringen könnten, werden nicht eingesetzt — auch nicht, wenn sie schneller zum Ziel führen.
Diese Grenzen sind Teil der Standards und werden nicht taktisch verschoben, wenn eine Geschichte gerade gut läuft.
Korrekturen und Aktualisierungen
Ergänzen statt löschen
Wenn ein Fehler gefunden wird, korrigieren wir ihn im betroffenen Beitrag und kennzeichnen die Änderung. Bei veränderten Faktenlagen ergänzen wir statt zu löschen. Alle Korrekturen werden sichtbar gemacht, weil Leser sonst nicht unterscheiden können, was ursprünglich stand. Diese Praxis gilt für alle Ressorts gleichermaßen.
Hinweis an die Recherche senden-
Hinweis prüfen
Wir sehen uns die genannte Stelle an, vergleichen sie mit den vorhandenen Quellen und prüfen, ob die Kritik zutrifft.
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Änderung im Beitrag markieren
Die Korrektur erscheint an der betroffenen Stelle im Text und wird als nachträgliche Änderung erkennbar gemacht.
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Rückmeldung an die hinweisgebende Person
Wir melden uns zurück, wenn eine Korrektur erfolgt. Auch wenn ein Hinweis nicht zutrifft, erklären wir die Gründe auf Nachfrage.
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Aktualisierung statt Neufassung
Verändert sich eine Faktenlage, ergänzen wir den neuen Stand. Bestehende Passagen bleiben erhalten, sofern die Korrektur nicht die gesamte Aussage betrifft.
Standards im Verhältnis zur Medienlandschaft
Eigene Standards, offengelegt
Viele Häuser haben eigene Standards, und die sind nicht identisch. Nachrichtenmagazine wie DER SPIEGEL oder Stern setzen andere Schwerpunkte als Tagesmedien wie taz oder WELT, und Wissenschaftsmagazine wie DUZ richten sich an ein spezifisches Publikum. Unsere Standards entsprechen diesem Anspruch an Nachprüfbarkeit und Transparenz. Wer sie kennt, kann unsere Beiträge genauer lesen.
Kontakt zur Redaktion
Fehlerhinweise erreichen uns über die Kontaktseite per E-Mail oder Telefon. Wer einen Fehler findet, sollte wenn möglich die Fundstelle und die betroffene Aussage nennen. Wir prüfen jeden Hinweis und melden uns zurück, wenn eine Korrektur erfolgt. Umgekehrt können Leser auch auf offene Fragen hinweisen, die noch nicht im Beitrag stehen.
Current & Context Sendlinger Straße 37, 80331 München, Deutschland +49 89 23067419 [email protected] Mo–Fr: 09:00–18:00 Kontakt zur Redaktion aufnehmenHäufige Fragen
Was Leserinnen und Leser am häufigsten fragen
Fehlerhinweise, Kennzeichnung und Prüfwege — die vier Punkte, die am häufigsten an uns herangetragen werden. Für alles Weitere erreichen Sie die Redaktion über die Kontaktseite.
Wie kann ich eine Korrektur vorschlagen?
Über die Kontaktseite per E-Mail oder Telefon. Wenn möglich, nennen Sie den Beitrag, die Aussage und die Grundlage Ihrer Korrektur. Wir prüfen und melden uns zurück, wenn eine Änderung erfolgt.
Werden Korrekturen sichtbar gekennzeichnet?
Ja. Korrekturen werden im betroffenen Beitrag ergänzt und als Änderung erkennbar gemacht. Bestehende Passagen bleiben erhalten, sofern die Korrektur nicht die gesamte Aussage betrifft. Das gilt für alle Ressorts, auch für Dossiers.
Wer prüft einen Beitrag, bevor er erscheint?
Mindestens eine zweite Person in der Redaktion liest jeden Beitrag gegen. Bei sensiblen Recherchen kommt eine juristische Vorklärung hinzu, bei datenbasierten Beiträgen ein zusätzlicher Faktencheck. Der Umfang der Prüfung richtet sich nach der Schwere möglicher Folgen.
Gibt es auch Themen, die bewusst nicht veröffentlicht werden?
Ja. Wir veröffentlichen einen Hinweis dann nicht, wenn eine Gefährdung Unbeteiligter oder eine nicht haltbare Anonymisierung droht. Diese Abwägung erfolgt intern, dokumentiert und nicht nach redaktioneller Laune.
Wie unsere Arbeit entsteht
Wer die Redaktion und die Menschen hinter den Beiträgen kennenlernen möchte, findet auf der Seite zur Redaktion einen Überblick über Ressorts, Arbeitsteilung und Ansprechpartner. Wer direkt etwas zu einem Beitrag sagen will, kommt über die Kontaktseite zu uns.